Gemeinnütziges Jugendwerk unfallgeschädigter Kinder e.V.
Wir helfen Kindern, spielend Unfälle zu vergessen
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OUTWARD BOUND - in zwei Wochen durch die Jahreszeiten
Gemeinsam   mit   17   Kindern   und   4   Übungsleitern   haben   wir   im   Herbst   eine   spannende zweiwöchige      Ferienfreizeit      bei      Outward      Bound      erlebt.      Das      Angebot      des „Gemeinnützigen   Jugendwerk   unfallgeschädigter   Kinder   in   der   SV   Polizei   Hamburg“ richtet   sich   an   Kinder   im   Alter   von   6   –   14   Jahren.   Diese   erlebnispädagogisch   geprägte Reise wurde für die älteren Kinder bzw. Jugendlichen des Jugendwerks geplant. Am   frühen   Morgen   des   11.   Oktober   2014   begann   unsere   Reise   am   Bahnhof   Altona. Aufgrund   der   Bahnstreiks   waren   wir   erleichtert,   als   sich   unserer   Zug      Richtung   Füssen im   Allgäu   tatsächlich   in   Bewegung   setzte.   Bei   herrlichem   Sonnenschein   kamen   wir   am späten   Nachmittag   an   unserer   ersten   Unterkunft   von   Outward   Bound   in   Schwangau an.   Das   Gruppengästehaus   Adlerhorst   liegt   im   Wald   am   Fuße   des   1881   m   hohen Tegelbergs.     Von     der     Terrasse     des     Hauses     bestaunten     wir     den     herrlichen Panoramablick auf den Forggensee und den Bannwaldsee. Das   Wochenende   nutzten   wir   dazu,   uns   innerhalb   der   Gruppe   besser   kennenzulernen und   um   die   Umgebung   zu   erkunden.   Nur   ein   kurzes   Stück   zu   Fuß   bergab   hatten   wir plötzlich   freie   Sicht   auf   das   Schloss   Neuschwanstein.   Der   Weg      bergauf   zurück   zur Unterkunft war für einige eine erste Herausforderung. Mit   dem   Start   der   neuen   Woche   begann   auch   unser   Programm   bei Outward   Bound.   Zwei   Erlebnispädagoginnen   von   Outward   Bound   begleiteten   unsere Gruppe während unseres gesamten 14 tägigen Aufenthalts. In   Schwangau   haben   wir   uns   bei   einer   Bachbettwanderung   in   einem   munteren   kleinen Gebirgsbach   mit   unserem   ausgeliehenen   Material   vertraut   gemacht.   Schnell   war   es   für alle   selbstverständlich,   dass   wir   uns   gegenseitig   helfen   und   unterstützen,   damit   die Gruppe zusammen ans Ziel kommt. Danach   stand   Klettern   in   richtig   hohen   Bäumen   auf   dem   Programm.   Hierzu   wurden Seilschaften   mit   je   8   Personen   gebildet.   Wir   waren   in   unseren   Klettergurten   alle   mit einem   Seil   verbunden.   Hintereinander   sind   wir   spiralförmig   um   einen   Baumstamm herum    nach    oben    geklettert.    Falls    einer    abgerutscht    wäre,    hätte    ihn    die    Gruppe abgefangen. Obwohl   sich   die   meisten   Teilnehmer   beim   Klettern   schnell   an   die   Höhe   gewöhnten   war der   „Flying   Fox“   eine   besondere   Aufgabe.   Von   einer   erhöhten   Plattform   stürzte   man sich   angegurtet   in   seinem   Klettergurt   an   einer   Seilbahn   einen   Abhang   hinab.   Es   wurde sehr    darauf    geachtet,    dass    die    Jugendlichen    lernen,    sorgsam    mit    der    geliehenen Sicherheitsausrüstung umzugehen.   An   einem   Abend   haben   wir   gemeinsam   Feuer   gemacht.   Auf   dem   Feuer   kochten   einige der   Teilnehmer   eine   Suppe   während   andere   Zelte   aufbauten.   Später   wurde   Stockbrot gebacken   und   zum   Nachtisch   gab   es   geröstete   Marshmellows.   Zum   Schlafen   legten wir   uns   in   unseren   Schlafsäcken   unter   den   freien   Himmel.   Mitten   in   der   Nacht   wurden wir    durch    Regentropen    geweckt    und    sind    schnell    in    unsere    vorbereiteten    Zelte geschlüpft.  Am    Ende    der    ersten    Woche    in    Schwangau    bekamen    die    Kinder    die    Aufgabe, eigenständig    eine    dreitägige    Hüttentour    mit    allem    was    dazugehört    zu    planen.    Die Wanderroute,   die   Verpflegung,   das   Unterhaltungsprogramm,   die   Ausrüstung   –   alles wurde    von    den    Kindern    in    eigener    Verantwortung    in    Kleingruppen    geplant.    Wir Erwachsene   hielten   uns   aus   den   Planungen   heraus   und   waren   ziemlich   gespannt,   was während der kommenden Tage auf der Hüttentour auf uns zukommt. Am     Samstag     brachte     uns     ein     Reisebus     von     Schwangau     nach     Baad     im österreichischen   Kleinwalsertal.   Gleich   nach   der   Ankunft   packten   wir   anhand   einer   von den   Kindern   erstellten   Packliste   unsere   Rucksäcke   für   die   kommenden   zwei   Nächte. Dann   ging   es   bei   kräftigem   Sonnenschein   auf   Wanderung.   Am   Nachmittag   erreichten wir die 1150 m hoch gelegene Außerwaldhütte in der Nähe des Hörnlepasses. Die   Außerwaldhütte   ist   mehrere   hundert   Jahre   alt   und   komplett   aus   Holz.   Es   gab weder     Strom     noch     Trinkwasser.     Dafür     einen     Holzofen     zum     Kochen,     ein Trockenplumpsklo    und    eiskaltes    fließendes    Wasser.    Unsere    Verpflegungsgruppe wollte   bei   der   Planung   keine   unnötigen   Risiken   eingehen   und   so   gab   es   während   des dreitägigen   Aufenthalts   Käsespätzle   und   Käsebrot   im   Wechsel.   Am   Abend   wurde   das Rollenspiel   „Die   Werwölfe   vom   Düsterwald“   gespielt.   Richtig   stockfinster   war   es   nachts auch in und vor der Hütte. Von   der   Außerwaldhütte      ging   es   am   nächsten   Morgen   zur   80   m   hohen   Brücke   über die   Breitach.   Schon   bei   der   Überquerung   der   Brücke   kann   man   beim   Blick   in   den Abgrund   weiche   Knie   bekommen.   Die   Trainer   von   Outward   Bound   bauten   mit   wenigen Handgriffen    eine    Konstruktion    zur    Sicherung    fürs    Abseilen    von    der    Brücke    auf. Anschließend   sind   nacheinander   fast   alle   von   uns   einzeln   über   die   Brüstung   gestiegen und   haben   sich   von   ihrem   Team   auf   den   80   m   tiefer   verlaufenden   Wanderweg   neben dem   Fluss   abseilen   lassen.   Bei   der   Sicherung   wurde   den   Teilnehmern   eine   besondere Sorgfalt   abverlangt.   Alle   Teilnehmer   waren   die   ganze   Zeit   total   konzentriert   und   haben ihre     Aufgabe     sehr     gewissenhaft     erfüllt.     Die     Gruppe     war     schon     so     fest zusammengewachsen,     dass     das     gegenseitige     Vertrauen     für     die     Teilnehmer selbstverständlich war.   Bei      der      anstrengenden      Wanderung      zurück      nach      Baad      war      noch      mal Durchhaltevermögen    gefordert.    Nach    einigen    Tagen    Käsebrot    und    Käsespätzle    im Wechsel   kam   dem   Koch   der   Unterkunft   am   Abend   eine   besondere   Wertschätzung zuteil. Plötzlich   und   vollkommen   überraschend   begann   es   zu   schneien.   Im   Tal   wurden   eilig die     Geranienkästen     und     die     Kühe     hineingeholt.     Wir     veranstalteten     begeistert Schnellballschlachten und freuten uns über immer mehr Schnee. Bei   der   allabendlichen   Gutenachtrunde   entdeckte   ich   ein   weinendes   Mädchen.   Bislang lief    die    Freizeit    ungewöhnlich    harmonisch    und    ich    überlegte    schon,    was    nun vorgefallen   sein   könnte.   Es   stellte   sich   heraus,   dass   das   Mädchen   traurig   darüber   war, dass dies nach vielen Jahren im Jugendwerk ihre letzte Reise sein würde. Zwei    der    jugendlichen    Teilnehmerinnen    haben    ihre    eigenen    Eindrücke    der    Reise aufgeschrieben: 1 Berge   und   Wandern   …   voll   langweilig   dachte   ich   am   Anfang.   ABER   das   war   ganz   und gar   nicht   langweilig.   Wir   haben   so   viel   erlebt:   Flying   Fox,   Vertrauenspfahl,   Abseilen   von einer   80m   hohen   Brücke   waren   einige   der   super   aufregenden   Dinge,   die   wir   dort erlebten.    Außerdem    gab    es    auch    entspannend    schöne    Aktionen,    wie    Zelten    und Lagerfeuer. Allerdings auch nicht alles nur Spaß und Zuckerschlecken. Es gab ab und zu schon lange Wanderungen, die anstrengend waren, aber es waren trotzdem alle gut drauf, was uns Allen dann Gute Laune bereitet hat. Toll war auch, dass sich alle gut verstanden haben, was dazu führte, dass wir uns abends manchmal Ärger für das laute Lachen einhandelten. Hihi! Und dann haben wir uns auch noch mit den eigentlichen Zielen von „Outward Bound“ beschäftigt. Wir sollten Teamwork, Zusammenhalt, Sorgfalt und Selbstständigkeit lernen. Und ich muss ehrlich sagen: ich glaube ich habe viel dazu gelernt. Am allermeisten hat mir das Abseilen von der 80m hohen Brücke gefallen. Ich bin einfach ein Mensch, der die Höhe liebt, und da wir uns über direkt über der Braitach abgeseilt haben, war die Aussicht sensationell und einfach atemberaubend. Man konnte sich so viel Zeit beim Beobachten lassen, es war wundervoll! 2 Eine Reise in die Berge, ohne Handy und sonstige elektronische Geräte … das war für uns alle zu Beginn unvorstellbar. Wir wussten kaum, was uns dort in den Bergen im Herbst erwarten würde. Jedoch war es gar nicht so, wie wir es uns gedacht hatten. Wir haben auf dieser Reise vieles hinter uns gelassen und eigene Initiative ergriffen. Wir mussten aber z.B. beim Flying Fox auch Mut beweisen … der Flying Fox war eine sehr schwere Aktion, da man sich sehr überwinden musste, denn die Höhe, in die man sich stürzen musste, machte uns allen Angst. Nachdem wir es allerdings hinter uns hatten, dachten die meisten von uns nur noch „NOCHMAL!“. Wir haben uns beim Klettern jedes Mal gegenseitig gesichert. Die Sicherung war jedes Mal nur uns Kindern überlassen, natürlich von den Betreuern und Trainern überwacht. Dadurch haben wir gegenseitig Vertrauen gewonnen. Am meisten hat mir das Abseilen von der 80m hohen Brücke gefallen. Das war ein tolles Gefühl! Die Aussicht war wunderschön. Ich war einfach nur stolz auf mich und kann jedem empfehlen sich zu überwinden! Es hat uns allen sehr viel Spaß gemacht: Wir bedanken uns sehr bei unseren Teamerinnen. Wir haben vieles von ihnen gelernt! Am Anfang der Reise erklärte man uns, dass der Begriff „outward bound“ im englischen ein fertig beladenes, zum Auslaufen vorbereites Schiff bezeichnet. Die Jugendlichen sollten während der Reise ein Teil der Schiffscrew und nicht Passagiere dieses Schiffes sein. Das bildliche Ziel eines zum Auslaufen fertigen Schiffes wurde im Laufe der Reise erreicht. Viele der Teilnehmer haben sich im Laufe dieser Reise Aktivitäten zugetraut, die sie sich vorher nicht hätten vorstellen können. Sie haben Verantwortung für sich und andere übernommen. Die jugendlichen Teilnehmer dabei zu beobachten, wie sie in der Natur neues Selbstvertrauen und Vertrauen in die Gruppe aufbauten, war für uns Betreuer die perfekte Entschädigung für unser Engagement.
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